Risikomanagement mit Wetterderivaten:

Konzeption eines Bepreisungsmodells für Windderivate zur Bewertung und Absicherung wetterinduzierter Geschäftsrisiken in WindparksRisikomanagement mit Wetterderivaten: Konzeption eines Bepreisungsmodells für Windderivate zur Bewertung und Absicherung wetterinduzierter Geschäftsrisiken in Windparks

Einleitung:

"Nichts ist unberechenbarer als das Wetter. Was für den einen gut sein mag, kann für einen anderen zu großem Schaden führen." [1]

Konnten sich Unternehmen in der Vergangenheit ausschließlich mit klassischen Versicherungen gegen wetterbedingte Schäden absichern, so kann in Anlehnung an die Entwicklung der Risiko-Management Techniken heute den Bedürfnissen des Marktes besser nachgekommen werden.

Ihren Ursprung haben Wetterderivate in der Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Energieversorgungsunternehmen waren infolge der Liberalisierung des Gasmarktes in den USA auf der Suche nach innovativen Finanzinstrumenten zur Absicherung gegen Volumenrisiken.[2] Aufgrund dieser Notwendigkeit strukturierte Aquila Energy ein Wetterderivat als ein innovatives Finanzinstrument, das im Herbst 1996 zum ersten Mal Anwendung fand. Seitdem ist der Markt für Wetterderivate enorm gewachsen, und bis dato wurden Wetterrisiken zwischen Kontraktpartnern in einer Größenordnung von schätzungsweise $7,5 Milliarden transferiert.

Heute ist der Einsatz von Wetterderivaten nicht mehr ausschließlich auf die Energieerzeugungsbranche beschränkt, sondern reicht von der Landwirtschaft über die Bauindustrie und den Einzelhandel bis in den Finanzsektor, während weitere Einsatzfelder stetig neu ergründet werden.

Berücksichtigt man Einschätzungen meteorologischer Forschungseinrichtungen, nach denen mehr als 80 % der weltweiten Geschäftstätigkeit Wetterabhängigkeiten aufweisen, ist es eigentlich unbegreiflich, warum diesen Risiken in der Vergangenheit und auch heute noch so wenig Beachtung geschenkt werden. Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass ungünstige Wetterbedingungen eine passende Entschuldigung für geringere Umsätze und erhöhte Ausgaben waren. Dementsprechend waren nach unten revidierte Ertragsprognosen aufgrund von Wetterbedingungen keine Seltenheit, und auch heute noch sind Aussagen geläufig, wie beispielsweise: „Ein Energieversorgungsunternehmen gab heute einen Verlust in Höhe von $40 Millionen bekannt, da milde Temperaturen die Nachfrage nach Gas und Elektrizität minderten“.

Vor dem Hintergrund, dass Investoren normalerweise über den Prognosen liegende Erträge nicht entsprechend honorieren, so wie ihnen geringere als geschätzte Erträge missfallen, ist es im Interesse der wetterabhängigen Unternehmen, wetterbedingte Risiken möglichst weit zu streuen. In diesem Sinn bedarf es in einem ersten Schritt der Quantifizierung von Wetterrisiken durch ein Wetter-Risiko-Management. Anschließend bietet sich durch den Einsatz von Wetterderivaten die Möglichkeit, Prognosen des zukünftigen Cash Flows zu verstetigen und Investoren mehr Sicherheit zu verschaffen. Nach Meinung eines Analysten bei Salomon Smith Barney ist risikovorsorgendes Handeln positiv zu bewerten, da Investoren einem gegen Wetterrisiken abgesicherten Unternehmen einen höheren Wert beimessen, als einem Unternehmen, dessen Ertragslage weiterhin wetteranfällig ist.

Betrachtet man die zahlreichen möglichen Wettervariablen, kommt derzeit den temperaturbasierten Wetterderivaten die größte Bedeutung zu. Während Marktakteure bereits Erfahrung mit dem Umgang des temperaturbasierten Absicherungsinstruments sammeln konnten und bereits zahlreiche Modelle die Preisbildung der Derivate unterstützen, steckt der Markt für Windderivate noch in den Kinderschuhen. Im Jahr 2002 sicherte sich ein japanisches Fährunternehmen gegen zu hohe Windgeschwindigkeiten ab, und Entergy-Koch Trading stellte ihren Wind Power Index zu Beginn dieses Jahres vor. Dennoch sind Modelle, die eine transparente Preisbildung von Windderivaten abbilden, derzeit in der Literatur nicht aufzufinden.

Vor dem beschriebenen Hintergrund ist es daher Ziel dieser Studie, den Einsatz von Windderivaten bei der Projektierung und beim Betrieb von Windkraftanlagen darzustellen sowie ein transparentes Bepreisungsmodell für Windderivate herzuleiten.

Bedingt durch die fachübergreifende Thematik wird der Leser in den ersten Abschnitten der Untersuchung an die drei relevanten Themenkomplexe herangeführt.

Das Hauptaugenmerk der Studie ist auf den Einsatz von Wetterderivaten in Windparks gerichtet. Daher wird zuerst eine grundlegende Einführung in die Windenergienutzung dargestellt. Neben einem Einblick in den derzeitigen Stand und die zukünftige positive Entwicklung der Windenergienutzung werden in diesem Abschnitt mathematische Grundkenntnisse der Leistungsgewinnung aus Windenergie vermittelt. Diese Kenntnisse werden bei der Herleitung eines Bepreisungsmodells im letzten Abschnitt dieser Studie vorausgesetzt.

Nachdem der Themenkomplex der technischen Darstellung von Windkraftanlagen verlassen wurde, erfolgt ein Übergang zur Betrachtung der Finanzierung von Windparks. Ziel dieses Abschnittes ist eine Beschreibung der Projektpraxis der Finanzierung und des Betriebes von Windkraftanlagen. In diesem Zusammenhang werden auch projektspezifische Risiken dargestellt. Dabei wird dem derzeit im Allgemeinen noch nicht abgesicherten, auf schwankende Verfügbarkeit von Wind zurückzuführenden Betriebsrisiko besondere Beachtung geschenkt. Auch werden im Anschluss an diesen Abschnitt die in der Literatur zentral genannten windinduzierten Geschäftsrisiken quantitativ bestimmt.

Der dritte Themenkomplex beschäftigt sich mit einer allgemeinen Darstellung der Wetterderivate. Dabei werden Theorie, Einsatz und Perspektiven von Wetterderivaten in Kürze aufgezeigt.

Nun rücken im anschließenden zweiten Teil der Studie die Windderivate in den Mittelpunkt der Betrachtung. Grundlegend wird ein potentieller Markt für Windderivate aufgezeigt und eine Auswahl von Marktakteuren vorgestellt.

Als wichtige Voraussetzung für die Liquidität des Marktes und die allgemeine Akzeptanz von Windderivaten gilt die Sicherstellung einer transparenten Bepreisung der Derivate. Vor diesem Hintergrund wird das innovative WindDerivateBewertungsTool (WDBT) entwickelt und anhand eines Fallbeispiels vorgestellt. Dabei werden die Gedankengänge von temperatur­basierten Modellen berücksichtigt und ihre Annahmen im Hinblick auf Wind diskutiert.

Die Ergebnisse der Studie werden abschließend in einer Empfehlung zusammengeführt. Dabei wird nicht nur die Art der absicherbaren Risiken und das wie, wann und in welchem Umfang diskutiert, sondern ebenso darüber hinausgehende Wirkungen auf den Investor bedacht.

[1] FAZ (2002), S. 1

[2] Die Idee hinter einem Wetter- (Volumen-) Hedge ist, dass die Erträge wettersensibler Branchen auch bei unveränderten Preisen einer hohen Volatilität unterliegen können, bedingt durch eine Nachfrage- bzw. Volumen- Veränderung.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

1.    Einleitung

2.    Einführung in die Windenergienutzung

2.1. Entwicklung der Windenergienutzung

2.2. Stand der Technik

2.3. Identifizierung externer Effekte

2.4. Derzeitiger Stand der Windenergienutzung

2.5. Potentiale der Windenergienutzung

3.    Aspekte der Projektfinanzierung

3.1. Umsetzung einer Idee

3.2. Risiken bei einer Projektfinanzierung

3.3. Entwicklung des Finanzierungsplans

3.4. Rechtsformen von Projektgesellschaften

3.5. Steuerliche Aspekte für Investoren

3.6. Wirtschaftlichkeit von Windkraftanlagen

4.    Windinduzierte Geschäftsrisiken

4.1. Klimaschwankungen

4.2. Windgutachten

4.3. Verfügbarkeit von Windkraftanlagen

4.4. Leistungskennlinie

4.5. Windrichtungsverteilung

4.6. Qualität des Windangebots

5.    Vorstellung von Wetterderivaten

5.1. Entwicklung der Märkte für Wetterderivate

5.2. Wetter-Risiko-Management

5.3. Vergleich von Wetterderivaten und Versicherungen

5.4. Technik der Wetterderivate

6.    Qualitative Aspekte der Windderivate

6.1. Potentielle Marktakteure für Windderivate

6.2. Diskussion von Problemfeldern

6.3. Zukünftige Entwicklung des Marktes für Windderivate

7.    Quantitative Aspekte der Windderivate

7.1. Grundlegendes zur Anpassung eines temperaturbasierten Modells an Windderivate

7.2. Häufigkeitsverteilung der Windgeschwindigkeit und Weibull-Verteilung

7.3. Annahmen zur Preisfunktion 45 7.4. Ein Bepreisungsmodell für Windderivate

7.5. Das WindDerivateBewertungsTool – Ein Fallbeispiel

7.6. Offenstehende Problemfelder

8.    Empfehlung

9.    Zusammenfassung

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

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