Risikomanagement mit Windderivaten

Ein erheblicher Teil wirtschaftlicher Aktivitäten - Studien sprechen von bis zu 80 % - wird direkt oder indirekt von der Witterung beeinflusst. In der Energiewirtschaft ist die Existenz bestimmter Wetterlagen sogar zentrale Voraussetzung für ökonomischen Erfolg, da der Absatz von elektrischer Energie jahres-zeitlich und in Abhängigkeit von der Witterung stark schwankt.
Es liegt im Interesse der Unternehmen, wetterinduzierte Geschäftsrisiken finanziell abzusichern. In den 90er Jahren wurden daher zunächst in den USA so genannte Wetterderivate entwickelt. Dabei handelt es sich um innovative Finanzinstrumente, deren Underlying aus Wetterdaten besteht.
Mit über 90 % ist die Temperatur das häufigste Underlying, wobei die Temperaturentwicklungen häufig durch so genannte Degree-Day-Indizes abgebildet werden. Diese summieren über eine festgelegte Periode die Anzahl der oberhalb oder unterhalb einer vereinbarten Referenztemperatur liegenden Gradzahlen der Tagesdurchschnittstemperaturen auf. Daraus ergeben sich die so genannten Heating-Degree-Days (HDD) und Cooling-Degree-Days (CDD).

Die Abbildung veranschaulicht am Beispiel eines Elektrizitätsanbieters den risikominimierenden Einsatz eines Wetterderivats. Dazu wird angenommen, dass der Stromabsatz negativ mit der Temperatur korreliert ist, der Anbieter an milden Tagen also einen geringeren Umsatz hat. Unmögliche Risiken in der Umsatzentwicklung aufgrund von Temperaturschwankungen abzusichern, schließt der Elektrizitätsanbieter ein Optionsgeschäft ab, das auf einem HDD-Index basiert. Das finanzielle Risiko des Anbieters wird durch das Wetterderivat so auf die Hoehe der Optionsprämie begrenzt.

Die Energiewirtschaft hat die Notwendigkeit eines aktiven Managements von Wetterrisiken erkannt und erwartet ein deutliches Marktwachstum in diesem Gebiet. Dabei erlauben Wetterderivate nicht nur, absatzseitige Risikopositionen zu sichern. Auch im Bereich der Erzeugung ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Von besonderem Interesse ist dieser Punkt für Windparkbetreiber, da die Verfügbarkeit von Wind ganz ursächlich mit der Wetterentwicklung verknüpft ist.
Bezogen auf den Betrieb von Windparks erlaubt ein teilweiser Transfer des Windrisikos auf einen Kontraktpartner eine Sicherung und Stabilisierung zukünftiger Erträge.
Hierdurch entstehen dem Windparkbetreiber zahlreiche finanzielle und marketingtechnische Vorteile:

         - Garantierte Ausschüttungen an die Kommanditisten
         - Nennenswerte Reduzierung der Kapitalkosten
         - Besseres Rating
         - Verbesserte Kreditbedingungen
         - Kapitalfreisetzung
         - Reduzierung des Zeitrahmens bis zum Erreichen eines positiven Cash Flow
         - Grad der Absicherung frei wählbar.

Es lässt sich zusammenfassen, dass Windparkbetreiber durch den Einsatz von Windderivaten ein Instrument erhalten, die nicht beeinflussbaren, exogenen Geschäftsrisiken zu reduzieren. Dies ermöglicht den Windparkbetreibern verlässliche Voraussagen der Erträge und des zukünftigen Cash Flows zu treffen. So reduziert sich das Risiko von zukünftigen Zahlungsausstörungen für die Kommanditisten. Dies lässt erwarten, dass mögliche Ratings für eine Investition in diesen Windpark besser ausfallen und daher die Windparkbetreiber den Kommanditisten und anderen Fremdkapitalgebern eine geringere Risikoprämie leisten muss.
Dem Ziel eines besseren Managements wetterinduzierter Risiken stehen jedoch Schwierigkeiten entgegen. Zunächst mangelt es an Marktransparenz, und es fehlte bislang an geeigneten Modellen, um Winddaten mit ökonomischen Risiken zu verknüpfen und eine finanzielle Bewertung bei der Projektentwicklung zu ermöglichen. Auch konnten bis dato Windparkbetreiber nicht überprüfen, inwieweit Windderivate eine effiziente Absicherung ihrer windinduzierten Geschäftsrisiken ermöglichen und ob der dafür zu leistende Preis für das Windderivat gerechtfertigt ist.